Social Media für Handwerker: was wirklich funktioniert

Von Sebastian Berndt, Geschäftsführer

Der größte Nutzen liegt nicht bei den Kunden, sondern bei den Mitarbeitern. Für Aufträge ist Social Media bei Handwerksbetrieben selten der entscheidende Kanal, für Bewerber ist es oft der wirksamste, den es gibt. Wer mit dieser Erwartung anfängt, wird nicht enttäuscht.

Die meisten Betriebe fangen mit Social Media an, weil es alle machen, und hören nach vier Monaten wieder auf, weil nichts passiert. Das liegt fast immer an der Erwartung, nicht am Kanal.

Was es kann und was nicht

Niemand sucht auf Instagram nach einem Dachdecker. Wer ein undichtes Dach hat, geht zu Google. Social Media erreicht Leute, die gerade nichts brauchen, und das ist gleichzeitig die Schwäche und die Stärke.

  • Schwäche: Kaum jemand beauftragt dich, weil er einen Beitrag gesehen hat. Der Weg zum Auftrag führt trotzdem über die Suche.
  • Stärke: Du bleibst im Gedächtnis. Wenn in zwei Jahren doch etwas ansteht, bist du der Name, der einfällt.
  • Größte Stärke: Bewerber. Der Geselle, der zufrieden ist und nicht sucht, liest keine Stellenanzeigen. Er sieht aber, wie es bei euch aussieht.

Welche Plattform

Eine, nicht vier. Ein gepflegtes Profil schlägt drei verwaiste. Instagram ist für die meisten Gewerke die naheliegende Wahl, weil es um Bilder geht und weil dort die Altersgruppe unterwegs ist, aus der Bewerber kommen. Facebook lohnt sich weiter dort, wo lokale Gruppen aktiv sind, in vielen Regionen laufen Empfehlungen genau darüber.

TikTok kann für die Mitarbeitersuche stark sein, verlangt aber eine Art von Inhalt, die zu einem Betrieb passen muss. Wenn niemand im Team Lust darauf hat, wird es nichts, das merkt man den Videos an.

Was man posten kann, ohne Texter zu sein

Der häufigste Einwand ist „wir wissen nicht, was wir schreiben sollen“. Die Lösung ist, nichts zu erfinden, sondern zu zeigen, was ohnehin passiert:

  • Vorher und Nachher. Funktioniert in jedem Gewerk und braucht keinen Text, zwei Fotos und ein Satz, was gemacht wurde.
  • Zwischenstände. Die halbfertige Baustelle ist oft interessanter als das fertige Ergebnis.
  • Werkzeug, Material, Fahrzeuge. Zeigt Handwerk und wird von Leuten vom Fach angesehen.
  • Das Team. Neue Kollegen, Lehrlinge, Prüfungen. Das ist der Teil, der Bewerber erreicht.
  • Ein Fehler und wie er behoben wurde. Ehrlich, ungewöhnlich und wird gelesen.

Ein Handyfoto von der Baustelle wirkt besser als ein Werbebild aus der Bildagentur. Die Leute wollen sehen, dass es echt ist.

Der Aufwand, ehrlich gerechnet

Ein bis zwei Stunden pro Woche, wenn es wirken soll. Nicht am Stück, eher: unterwegs Fotos machen, einmal die Woche zwei davon hochladen, Nachrichten beantworten. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Menge. Ein Beitrag pro Woche über ein Jahr schlägt zwanzig Beiträge in einem Monat und dann Stille.

Und die unbequeme Wahrheit: Ein Profil, auf dem seit acht Monaten nichts passiert ist, schadet. Es sieht aus, als gäbe es den Betrieb nicht mehr. Wer die Zeit nicht sicher aufbringt, fährt besser damit, gar nicht erst anzufangen, und die Stunden stattdessen in Bewertungen und gute Projektfotos für die Website zu stecken.

Zwei Dinge, die oft vergessen werden

Erstens: Auch ein Unternehmensprofil braucht ein Impressum. Bei den meisten Plattformen geht das über ein Feld im Profil oder einen Verweis auf die Website. Das ist keine Formalie, es ist abmahnfähig.

Zweitens: Fotos von Kundenobjekten und von Mitarbeitern brauchen eine Erlaubnis. Bei Mitarbeitern am besten schriftlich, weil sonst beim Ausscheiden Streit entsteht. Bei Kunden reicht meist die Absprache, aber sie sollte stattfinden, bevor das Bad im Netz steht.

Häufige Fragen

Müssen wir jeden Tag etwas posten?

Nein. Einmal pro Woche, dafür verlässlich, ist besser als täglich für zwei Wochen und danach nichts. Für die Mitarbeitersuche zählt ohnehin mehr, dass jemand beim Durchsehen einen Eindruck bekommt, als dass ständig Neues kommt.

Lohnt sich eine Agentur dafür?

Nur, wenn sie die Bilder von euch bekommt. Niemand außerhalb des Betriebs kann Inhalte erfinden, die echt wirken, die Aufnahmen müssen von der Baustelle kommen. Was eine Agentur abnehmen kann, ist alles danach: auswählen, texten, einstellen, antworten.

Was, wenn jemand einen dummen Kommentar schreibt?

Sachlich antworten oder ignorieren, je nachdem. Löschen nur bei Beleidigungen. Was du nicht tun solltest: dich auf eine Diskussion einlassen, das lesen mehr Leute als den ursprünglichen Kommentar.

Reicht Social Media statt Website?

Nein. Das Profil gehört der Plattform, Beiträge verschwinden in der Menge, und bei Google findet dich darüber kaum jemand. Es ist der Verstärker, nicht das Fundament.

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