Wie ein Marketing-Jahr im Handwerk aussieht

Von Sebastian Berndt, Geschäftsführer
In der Reihenfolge: erst das Fundament (Website, Google-Eintrag, Bewertungen), dann laufende Sichtbarkeit, dann bezahlte Werbung dort, wo eine Lücke bleibt. Das Fundament kostet einmal und wirkt dauerhaft. Werbung wirkt nur, solange du zahlst.
Marketing klingt nach etwas, das große Firmen mit eigener Abteilung machen. Für einen Handwerksbetrieb ist es überschaubarer, als es aussieht, es sind ein paar Dinge in der richtigen Reihenfolge, und danach ein bisschen Pflege.
Die ersten Wochen: das Fundament
Alles, worauf später gezeigt wird, muss zuerst stehen. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Logik: Werbung führt Leute irgendwohin, und dieses Irgendwo entscheidet über den Auftrag.
- Die Website, mit einer eigenen Seite je Leistung und der Telefonnummer auf jeder davon.
- Der Google-Eintrag, vollständig ausgefüllt. Kategorie, Leistungen, Einzugsgebiet, Fotos, Zeiten.
- Ein einheitlicher Auftritt: Name, Adresse und Nummer überall gleich geschrieben.
Die ersten Monate: Belege sammeln
Jetzt geht es darum, dass die Seite nicht leer bleibt. Zwei Sachen laufen ab hier dauerhaft mit, und beide kosten kein Geld, sondern eine Angewohnheit:
- Bei jeder Abnahme nach einer Bewertung fragen. Der Monteur, der die Arbeit gemacht hat, ist der Richtige dafür.
- Bei jedem Projekt zwei, drei Fotos machen. Vorher, Zwischenstand, fertig. Das kostet auf der Baustelle eine Minute und ist später das Wertvollste, was du hast.
Diese beiden Angewohnheiten sind der größte Unterschied zwischen einer Seite, die nach zwei Jahren stark ist, und einer, die dann noch aussieht wie am ersten Tag.
Nach etwa einem halben Jahr: nachsehen
Jetzt gibt es genug Daten, um etwas abzulesen. Vorher nicht. Suchmaschinen brauchen Zeit, und drei Wochen sagen gar nichts.
Die Fragen sind einfach: Kommen mehr Leute auf die Seite als am Anfang? Über welche Suchbegriffe? Welche Unterseiten werden gelesen, welche nie? Daraus ergibt sich, was fehlt, meistens sind es Seiten zu Leistungen, an die beim Bauen niemand gedacht hat.
Dann erst: bezahlte Werbung
Wenn das Fundament steht, lässt sich beurteilen, wo noch eine Lücke ist. Typische Fälle: ein Gebiet, in dem du neu bist. Eine Leistung, die niemand mit dir verbindet. Ein Monat, in dem saisonal wenig läuft. Genau dafür sind Anzeigen gut, als Überbrückung, nicht als Dauerlösung.
Umgekehrt gilt: Wer Anzeigen schaltet, weil die Auftragslage schlecht ist, aber die Seite dahinter nicht in Ordnung hat, macht das Loch größer. Das Geld ist weg, die Anfragen kommen trotzdem nicht.
Die Saison mitdenken
Im Handwerk ist Nachfrage selten gleichmäßig. Dachdecker und Galabauer bekommen im Frühjahr alle Anfragen gleichzeitig, Heizungsbauer im Herbst. Das hat eine Folge, die oft übersehen wird: Werbung wirkt am besten VOR der Welle, nicht mittendrin.
- In der ruhigen Zeit: an der Seite arbeiten, Fotos sortieren, Texte ergänzen. Dann ist Luft dafür.
- Kurz vor der Saison: sichtbar sein, wenn die Leute anfangen zu suchen.
- In der Hochsaison: nichts Neues anfangen, nur Anfragen bearbeiten und nach Bewertungen fragen.
- Nach der Saison: nachsehen, was funktioniert hat.
Was das insgesamt heißt
Der Aufwand ist am Anfang am größten und wird danach klein. Die Website entsteht einmal. Der Google-Eintrag ist ein Nachmittag. Danach bleiben Fotos machen, nach Bewertungen fragen und zweimal im Jahr nachsehen, das ist zu schaffen, auch wenn die Woche schon voll ist.
Was hingegen nicht funktioniert, ist der umgekehrte Weg: viel Geld in Kanäle stecken, solange das Ziel nicht steht. Das ist der häufigste teure Fehler, den wir sehen.
Häufige Fragen
Wie viel sollte ein Handwerksbetrieb fürs Marketing ausgeben?
Weniger, als die meisten denken, vorausgesetzt, die Reihenfolge stimmt. Der größte Posten ist einmalig, nämlich die Seite. Danach sind die wirksamsten Dinge kostenlos: Bewertungen, Fotos, ein gepflegter Eintrag. Bezahlte Werbung ist die Ausnahme für konkrete Lücken, nicht der Normalfall.
Wir haben gar keine Zeit dafür.
Dann fang mit dem an, was am wenigsten kostet: bei jeder Abnahme nach einer Bewertung fragen und auf jeder Baustelle zwei Fotos machen. Beides zusammen sind fünf Minuten pro Auftrag und wirkt mehr als jede Kampagne, für die man keine Zeit hat.
Woran merke ich, dass es wirkt?
An zwei Dingen: mehr Anfragen und bessere Anfragen. Das zweite wird unterschätzt, wenn die Leute anrufen und schon wissen, was du machst und was nicht, spart das jede Woche Stunden.
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