Wem gehört meine Website?

Von Sebastian Berndt, Geschäftsführer
Dir sollte gehören: die Domain, die Inhalte und der Zugang zu allem. Das ist nicht selbstverständlich, bei manchen Anbietern läuft die Domain auf die Agentur, und beim Wechsel nimmst du weder die Adresse noch die Texte mit. Das merkt man in dem Moment, in dem man gehen will.
Das ist ein unangenehmes Thema, und deshalb wird es beim Verkaufsgespräch selten angesprochen. Es ist trotzdem der Punkt, an dem sich später entscheidet, ob du frei bist oder festhängst.
Die Domain ist der wichtigste Punkt
Deine Internetadresse ist das, was auf jedem Fahrzeug, jeder Visitenkarte und in jedem Google-Ergebnis steht. Sie zu verlieren heißt, von vorn anzufangen, mit allem, was an Sichtbarkeit über Jahre entstanden ist.
Bei einer Domain gibt es einen Inhaber. Das sollte dein Betrieb sein, nicht die Agentur. Steht dort jemand anders, kann er die Herausgabe verzögern oder daran Bedingungen knüpfen. Das ist rechtlich meistens angreifbar, aber es kostet Wochen, in denen deine Seite nicht umzieht.
Der Inhaber einer Domain lässt sich abfragen. Wenn du unsicher bist, frag deinen Anbieter direkt danach, und lass dir die Antwort schriftlich geben.
Was sonst noch dir gehören sollte
- Die Texte und Fotos. Auch die, die für dich geschrieben oder bearbeitet wurden.
- Die Zugänge: zum Redaktionssystem, zum Platz im Netz, zur Domainverwaltung.
- Der Google-Eintrag. Er wird oft von der Agentur angelegt und bleibt dann auf deren Konto, mit allen Bewertungen daran.
- Die Auswertungsdaten, falls es welche gibt. Sie zeigen die Entwicklung über Jahre.
Der Google-Eintrag wird dabei am häufigsten vergessen. Er lässt sich übertragen, aber nur mit Mitwirkung dessen, dem er gehört, im Streitfall ist das zäh.
Der Sonderfall Baukasten
Bei den großen Baukastenanbietern gehört dir dein Inhalt, aber die Seite als solche lässt sich nicht mitnehmen. Sie funktioniert nur in deren System. Wer wechseln will, baut neu, die Texte kann er kopieren, den Rest nicht.
Das ist kein Argument gegen Baukästen, aber ein Punkt, den man vorher wissen sollte. Wer damit anfängt, sollte wenigstens die Domain unabhängig halten: Dann kostet ein späterer Wechsel Arbeit, aber keine Sichtbarkeit.
Vier Fragen vor der Unterschrift
- Läuft die Domain auf meinen Betrieb? (Wenn nein: warum nicht.)
- Bekomme ich alle Zugänge, auch während der Zusammenarbeit?
- Was passiert mit Seite, Texten und Bildern, wenn ich kündige?
- Mit welcher Frist kann ich kündigen, und was kostet der Wechsel?
Ein Anbieter, der diese vier Fragen klar beantwortet, ist meistens auch sonst in Ordnung. Wer ausweicht, sagt damit schon genug.
Wie wir es halten
Domain auf den Betrieb, Zugänge beim Betrieb, Inhalte gehören dem Betrieb. Wer gehen will, kann gehen und nimmt alles mit. Das ist kein Entgegenkommen, sondern die Voraussetzung dafür, dass jemand bleibt, weil er will, und nicht, weil er muss.
Häufige Fragen
Ich weiß nicht, wem meine Domain gehört.
Frag beim Anbieter nach, und zwar schriftlich. Bei .de-Adressen gibt es außerdem eine Auskunftsmöglichkeit bei der zuständigen Vergabestelle. Wenn du unsicher bist, klär das jetzt und nicht dann, wenn du wechseln willst.
Was ist ein Auth-Code?
Ein Schlüssel, mit dem eine Domain zu einem anderen Anbieter umzieht. Wer ihn dir auf Nachfrage nicht herausgibt, blockiert deinen Wechsel, dazu ist er nicht berechtigt.
Verliere ich beim Wechsel mein Google-Ranking?
Nicht, wenn es sauber gemacht wird. Entscheidend ist, dass die Adressen erhalten bleiben oder korrekt weitergeleitet werden. Wenn eine neue Seite andere Adressen bekommt und niemand Weiterleitungen einrichtet, ist das der Punkt, an dem Sichtbarkeit verloren geht.
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